Artikel getaggt mit ‘Therapietreue’
Ökotool, Therapiefreiheit und die Nebenwirkungen
Ständig wird im Gesundheitsbereich einerseits über das Wohl der Patienten und andererseits über kostenmäßige Einsparungen gesprochen und geschrieben. Nur scheint es in der Praxis nicht zu funktionieren, weil immer nur ein Faktor als die Lösung angepriesen wird, über den Rest erfolgt stillschweigen. Ob die Ärzte-GmbHs, Neuigkeiten dazu im nächsten Artikel, oder im Bereich der Medikamente. Sparen ist in, daher erfolgt seitens der Krankenkassen ein immer stärker Druck auf die Ärzte, das billigste Nachbauprodukt (Generika) zu verschreiben. Die freiwillige Ökotoolliste ist in Salzburg schon zum Zwang geworden und die Therapiefreiheit des Arztes ist somit obsolent geworden. Jubelmeldungen über Einsparungen erfolgen regelmäßig, wie zuletzt im ORF – Generika sparen Kosten. Gut, und wie sieht es auf Seiten der Patienten aus?
Es geht nicht um Patienten, die 1 Mal im Jahr ein Medikament gegen Hesierkeit zu sich nehmen sollen, sondern um Patienten, die eine längerfristige medikamentöse Behandlung benötigen. Z.B. bei psychischen Erkrankungen. In diesem Bereich ist die Therapietreue eine Grundvoraussetzung, die durch Änderungen schwerstens beeinträchtigt werden kann. Warum wird dieser Faktor immer auf die Seite geschoben?
Warum sagt niemand, daß bei einem Nachbauprodukt die Wirkstoffe zwar ident sind, aber die Hilfsstoffe eine andere Zusammensetzung haben? Dies bewirkt wieder das Auftauchen von Nebenwirkungen, die in Folge den Patienten verunsichern und eine Therapie zum Scheitern bringen. Längere Krankenstände sind noch die kleinere Ursache. Warum wird dies alles verschwiegen?
Führt Ökotool zu einer Polarisierung des Angebotes?
Ein verlängerter Wochenendblick in deutsche Medien (Handelsblatt) ergab wieder eine interessante Zukunftsperspektive, deren Aufbereitung in heimischen Medien nicht vorkommt. Es geht um das Thema, wohin entwickeln sich Pharmafirmen in einem neuen restrektiven wirtschaftlichen Umfeld.
Was passiert aktuell am Markt? Bis 2013 laufen bei mehr als die Hälfte aller Patentrechte ab. Im Bereich Forschung&Entwicklung wurde in den letzten Jahren viel Geld in neue Medikamente investiert, zugleich sind aber die zugelassenen Neuentwicklungen rückläufig, da Behörden ihre Anforderungen an Sicherheit und Wirksamkeit von Medikamenten drastisch erhöhten. Weiters trägt die restrektive Budgetpolitik (dadurch Sparmaßnahmen der Krankenkassen) ebenfalls einen Teil dazu bei.
Zukünftige Geschäftsmodelle forcieren den Ausbau der Nachbauprodukte (Generika) sowie die freiverkäuflichen OTC Gesundheitsprodukte (Over the Counter). Dieser Trend zeigt sich durch die zuletzt in diesem Segment durchgeführten Übernahmen durch Pfizer, Merck, Sanovi-Aventis. Neue Standbeine, um im Bereich der “billigeren, freien Gesundheitsprodukte” präsent zu sein.
Wohin führt der Weg nun? So wie in einigen anderen Bereichen der Wirtschaft, kommt es zu einer Polarisierung. Auf der einen Seite hochinnovative Firmen, die Medikamente mit echten Zusatznutzen für bestehende und neue, zu erforschende Krankheitsbereiche entwickeln, auf der anderen Seite Firmen, die sich auf patentfreie Nachbauten (Generika) sowie auf freiverkäufliche Gesundheitsprodukte konzentrieren. Alles in der Mitte wird Probleme bekommen.
Die aktuelle restrektive österreichische Gesundheitspolitik bzgl. Medikamenten -Zwang zu Ökotool in Salzburg – sollte aufpassen, daß vor lauter “Sparen” die Patienten nicht unter die Räder kommen. Stichwort Therapietreue, Therapiefreiheit der Ärzte, andere Nebenwirkungen bei Nachbauten (Generika).
Ökotool, Gesundheitsreform und das, was aktuell gemacht wird.
Lasse ich die letzten Monate und Wochen bzgl. Gesundheitsreform/Kostenersparnisse Revue passieren, habe ich das Gefühl, es dreht sich alles im Kreis und nichts Wesentliches geht weiter.
Geredet wurde: Über zu viele Krankenbetten, einer zu schnellen Belegung, über Krankenhäuser im direkten Sichtkontakt – nur getrennt durch Landesgrenzen – über eine Reduzierung der Verwaltung – 9 GKK sind zu viel, sowie über die Aufwertung von niedergelassenen Ärzten und vom Sparen beim Einsatz von Medikamenten.
Was wurde angepackt?
Die Ärzte-GmbH ist nun möglich, hat aber ziemliche Auflagen und eine Bedarfsprüfung etc.. Seit dem diese Variante möglich ist, ist das Thema blitzartig aus den Medien verschwunden. Gibt es schon Erfahrungswerte, oder war dies eine reine potemkische Dorf Aktion?
Die Salzburger GKK hat seit 1.Jänner 2010 die Ökotool-Variante (das billigste Medikament) nun auf Zwang umgestellt und jubelt über Einsparungen bei Medikamentenkosten von rund € 1,2 Mio im 1.HJ. Und wie sieht es mit der Therapietreue, Nebenwirkungen durch Generika (andere Hilfsstoffe), Therapieabbrüchen, Therapiefreiheit der Ärzte und längeren Krankenständen aus? Aus der Sicht der SGKK ist alles paletti, frage mich nur, warum sich dann eine Selbsthilfegruppe formiert hat?
Landesrat Sobotka aus NÖ forderte dieser Tage eine bessere Abstimmung zwischen niedergelassenen Ärzten und Spitälern, da immer mehr Personen direkt ins Spital gehen. Hängt auch mit den Öffnungszeiten von Arzt-Praxen zusammen, hier besteht eine direkte Korrelation. Andererseits ist er für Spitalsbauten in Sichtnähe verantwortlich. Da kenne sich jemand aus.
Wie man sieht, scheint das Thema komplex zu sein und es pickt sich jede relevante Gruppe scheinbar das heraus, wo es ihr am wenigsten weh tut, oder wo man populistisch auf andere “hinhauen” kann. Reiche Pharmabranche…
Fazit: Konkrete, effiziente Ansätze sind nicht sichtbar – scheinbar lautet das Motto: Der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht. Dumm nur, das der Krug Patienten, sprich Menschen betrifft.
Ökotool, Salzburger GKK und die Therapiefreiheit
Die Pharmafirmen klagen die Salzburger GKK wegen unlauteren Wettbewerb und sehen auch auf medizinischer Ebene eine Benachteiligung der Patienten, da diese nicht mehr die modernsten Medikamente bekommen. Es geht darum, daß seit 1.Jänner 2010 die Ärzte in Salzburg nur mehr das günstigste Medikament verschreiben dürfen, wenn es die gleiche therapeutische Wirkung besitzt.
Auf den ersten Blick haben in dieser Sache die Pharmafirmen sicher in Augen fast aller das “Bummerl” – “Verdienen eh genug, wollen noch mehr…”. Und die Zahlen geben der SGKK recht, die Kostenersätze für Medikamente verringern sich, somit kann endlich im Gesundheitsbereich auf der finanziellen Ebene ein Erfolg medial verbucht werden. Ist es das aber wert?
Die Ersparniss ist da, aber zu welchem Preis. Die günstigsten Medikamente sind Nachbauten (Generika), die, mit jetzigem Stichtag, im Schnitt vor 15-20 Jahren entwickelt wurden. Dies wird bei einem normalen Medikament – ala gegen Halskratzen – keine Rolle spielen, aber wie sieht es bei sehr engen therapeutischen Bereichen wie bei psychischen Erkrankungen aus? Ist die Entwicklungsstufe von 1990 heute noch relevant? Kaum. Bei den Generika gibt es Abweichungen zum Original, es können andere Nebenwirkungen auftreten, die Wirkungszeit kann anders sein, damit ist wiederum ein längerer Krankenstand verbunden (kostet der Voklkswirtschaft einiges) und es tritt eine Verunsicherung beim Patienten ein, die wiederum die Compliance (Therapietreue) zwischen Arzt und Patienten beinflußt. Zum Drüberstreuen wird die Therapiefreiheit des Arztes vollkommen eingeschränkt.
Es stellt sich nun die Frage, die Krankenkasse erspart sich einerseits Geld (indirekt der Steuerzahler), auf der anderen Seite gibt es Nebenerscheinungen, die in Summe wieder Mehrkosten verursachen. Und noch ein Faktor ist zu berücksichtigen – wer forscht noch für neue, verbesserte, innovative Medikamente, gibt viel Geld dafür aus, wenn die Nachbauten alles überlagern. Bleiben Neuentwicklungen für noch nicht erforschte Therapiebereiche möglicherweise auf der Strecke? Das kann doch sicher nicht im Sinne des Patientenwohls sein. Weiß das die SGKK auch?

Letzte Kommentare