Artikel getaggt mit ‘Spitalskosten’
Keine Gesundheitsreform und neue EU-Regeln führen zu einem massiven Problem.
Österreich hat offiziell rund € 200 Mia Schulden, inoffiziell um einiges mehr, da der Bereich ÖBB (ca. € 25 Mia, die Asfinag mit ca. € 8 Mia, die Länderschulden, und die Spitalsschulden mit mindestens € 3 Mia wenn nicht Richtung € 1o Mia) im offiziellen Budget nicht angegeben sind. Damit erfüllte man die Maastricht-Linien. Stellen sie sich vor , sie gehen zu ihrer Bank und klammern einige Bereiche ihres negativen Haushaltsbudgets aus und sagen, es paßt eh so - sie waren ein Kunde! Ein Staat darf dies, nur wankt das ganze Euroland derart, daß diese ausgelagerten Bereiche in Zukunft doch ins offizielle Budget einzuordnen sind.
Was bedeutet dies für die Gesundheitskosten in Österreich? Da bis jetzt das System über Schuldenmachen funktionierte, wurde jeder Reformansatz mundtot gemacht, da jeder sein Krankenhaus etc. haben wollte. Die Personalkosten machen rund 56% an den Gesamtkosten aus, Kündigungen sind fast nicht umzusetzten, so greift man zum “natürlichen” Abgang. Nur wer arbeitet in Bereichen der Fluktuation und des “natürlichen” Abgangs? Jungärzte auf Zeit eingestellt und Pflegepersonal, mit einem Wort, dort wo die Arbeitsbelastung direkt am Patienten am größten ist. Dort wo die Arbeit ruhiger verläuft – Managementbereich – ist die Fluktuation geringer. Ergo, wird sich der Druck im Bereich der größten Arbeitsbelastung noch mehr verstärken und auch die Patienten werden dies in einer Form mitbekommen. Warum machte man nicht rechtzeitig seine “Hausaufgaben”, denn alles was zu spät gemacht werden muß, verursacht härtere Maßnahmen.
Gesundheitsausgaben, Spitalskosten und ein paar Fakten dazu.
Ein durchforsten einiger Daten und Fakten bzgl. Gesundheitsbereich führte mich zu folgender nachstehender Statistik. Der Bereich Ausgaben für stationäre Versorgung wuchs im Zeitraum von 99 – 09 um 56% (von € 7,5 auf 11,8 Mia ). Mehr als die Hälfte der Ausgaben fließt in Personalkosten, es ist nur Schade, daß nirgendwo aufgelistet ist, aus welchen Faktoren sich die andere Ausgabenhälfte zusammen setzt? Wäre sicher recht informativ.
Dafür habe ich folgende Fakten noch gefunden:
Im Bundesländervergleich weisen Wiener Akut-Krankenanstalten eine überproportional hohe Zahl an Spitalsentlassungen auf: Ein Viertel der Entlassungsfälle erfolgt in Wiener Spitälern. Betrachtet man jedoch das Wohnbundesland der Entlassungsfälle aus Wiener Spitälern, weist jeder sechste Patient ein anderes Wohnbundesland als Wien auf, überwiegend Burgenland oder Niederösterreich.
Die Statistik der Spitalsentlassungen liefert auch Informationen über abrechnungsrelevante medizinische Leistungen, wobei operative und diagnostisch-therapeutische Leistungen unterschieden werden. Unter den im Jahr 2009 insgesamt dokumentierten 4.424.963 Einzelleistungen waren 984.207 operative Leistungen. Bei den operativen Leistungen, die im neuen Leistungskatalog des Gesundheitsministeriums nach 22 Körperregionen katalogisiert sind, waren im Jahr 2009 Operationen am Urogenitaltrakt (einschließlich der geburtshilflichen Operationen) am häufigsten (259.880), gefolgt von Operationen des Verdauungstrakts und Bauchraums (133.499) sowie Operation der Augen bzw. Augenhöhlen (124.895). Operationen des Kniegelenks machen “nur” 47.046 aus.
Insgesamt betragen die Gesundheitsausgaben rund € 29,6 Mia, der Anteil der Spitalskosten beträgt dabei 39,8%.
Ärztekammer jammert, Krankenkassen machen Zwangsverordnungen und wo bleibt der Patient?
In neuesten Medienberichten jammert die NÖ Ärztekammer, daß sich kaum Nachfolger für niedergelassene praktische Ärzte finden. Vielschichtiges Problem, meint der Präsident der Kammer, spricht aber nicht den eigenartigen Umgang der Krankenkassen mit ihren “Vertragspartnern” an. Das Abrechnungskorsett wird immer enger und im Grunde können “selbständige” Ärzte keine unternehmerische Eigeninitiative entwickeln. Es geht so weit, daß sie noch durch Nichtabrechnen von Leistungen bestraft werden. Dies passiert, wenn sie über einen vorher festgelegten prozentuellen regionalen Schnitt liegen. Z.B: EKG 30 x, festgelegter %Schnitt 15x, also werden 15 Einheiten nicht abgerechnet und der Arzt noch abgemahnt. Eigenartiger geht es sicher nicht mehr. Und wo soll der Arzt die Patienten lt. Kassa hinschicken? Ins Spital, dieses wird zwar vom Land betreut, die Finanzierung erfolgt aber über den Bund. Zur selben Zeit wird groß gejammert, daß die Spitalskosten explodieren. Da soll sich noch jemand auskennen.
Die Zwangsverordnungen der Kassen geht aber munter weiter, wehe, die Medikamentenverschreibungen entsprechen nicht den Ökotoolrichtlinien. Abmahnungen, Androhungen von Kündigung des Kassenvertrages sind an der Tagesordnung. Schon bei kleinen Überschreitungen.
Auf die Therapiefreiheit des Arztes und seiner Aufgabe, zum Wohle des Patienten zu handeln, wird seitens der Kassen nicht eingegangen. Patienten werden durch Medikamentenumstellungen verunsichert, Therapien abgebrochen oder verlängern sich, ebenso die Krankenstandstage, neue Nebenwirkungen beeinträchtigen den Tagesablauf der Patienten, dies alles ist egal, hauptsache der Arzt verschreibt das der Kassa genehme billigste Medikament.
Und die Kammer wundert sich, daß es immer schwieriger wird, Nachfolger für niedergelassene praktische Ärzte zu finden. Scheinen ein bißchen weltfremd zu sein.
Gesundheitssystem, Kosten und richtige Ansätze?
Die Spitalskosten explodieren und haben im Vojahr bereits die € 10 Mia Marke überschritten. Davon trägt die Sozialversicherung nur mehr 43,4 %, der Rest die Länder und Gemeinden. Es liegt im Interesse der Kassen, möglichst viele Patienten von Arztpraxen in die Spitäler und ihre Ambulanzen zu transferieren, da die Kassen die Kosten bei den Ärzten voll tragen müssen und die der Spitäler mit den Ländern und Gemeinden aufgeteilt werden. Unerklärlich in diesem System ist auch, wieso für die selbe Leistung in Wr. Spitäler um 68% höhere Kosten als z.B in Tirol anfallen. Ebenso die unterschiedlichen Arzttarife trotz einheitlicher Versicherungsbeiträge: Elektrokardiogrammin Tirol € 14,95, in NÖ € 38,47. Wieso??
Mögliche Lösung – Finanzierung aus einer Hand statt wie bisher aus 400 unterschiedlichen Finanzströmen und bessere Kooperation zwischen Arztpraxen, Spitäler und Pflegediensten.
Was passiert aber wirklich? Wie so oft wird ein Fakt herausgepickt und glaubt, dies als Allheilmittel anzupreisen. Z.B: die Verschreibung des günstigsten Medikaments – wie in Salzburg. Ist das günstigste Medikament auch das für den Patienten beste ???
Gesundheitskosten steigen – Chancengleicheit für alle?
Die Gesundheitskosten werden sich in den nächsten 10 Jahren mehr als verdoppeln. Gründe dafür: * die Menschen werden älter und brauchen länger eine medizinische Vorsorge. *Der Medizinisch-technische Fortschritt. * die Menschen sind immer mehr bereit, selbst zu investieren (Sport/Ernährung/Beratung). Bedeutet positiv gesehen, daß im Gesundheits-und Pflegewesen zahlreiche neue Arbeitsplätze entstehen werden wie z.B: Medizin-Informatiker, Biotechniker, Public Health Nurse, Arzthelfer, Medizinischer Doukumentar, Beratung – Gesundheit/Pflege.
Für mich hat das aber auch einen gewaltigen Haken: Es setzt voraus, daß die Leute auch in Zukunft das Geld dafür besitzen, um in diesen Bereichen privat zu investieren. Und hier wird sich noch mehr eine 2 Klassengesellschaft auf tun. Denke, daß in einer gehobenen Grundversorgung die Allgemeinheit (Staat=Steuerzahler) gefordert ist Chancengleicheit zu sichern. Aber so, wie aktuell mit dem Geld bei Spitals- und Kassenkosten umgegangen wird, läßt Böses ahnen.



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