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Einsparungspotential im Gesundheitsbereich.
Immer wieder taucht die Feststellung auf, der Einsatz von Generika ist für die Kostenreduzierung im Gesundheitsbereich ein wesentlicher Faktor. Alleine € 300 Mio konnten 2010 eingespart werden, meinte der Vizegeneraldirektor des Versicherungshauptverbandes. Nicht erwähnt werden die freiwilligen Solidarzahlungen der Pharmaindustrie gemeinsam mit dem pharmazeutischen Großhandel und den Apothekern, so daß z.B: 2010 rund € 220 Mio zusätzlich an Medikamentenkosten reduziert werden konnte. Sollte auch einmal erwähnt werden.
Stellt sich nur die Frage, was tragen der Hauptverband, die Gebietskrankenkassen und die Spitäler zu einer Kostenreduktion bei? Da hört man außer Streitereien und möglichen Spar-Perspektiven und damit verbunden viel Eigenlob recht wenig. Praxistauglich sollten diese Einsparungen aber sein und nicht auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden.
Die E-Medikamentation und ihre Totengräber.
Es ist schade, daß gute Ideen durch dilletantische Maßnahmen in ein schiefes Licht gerückt werden. Siehe E-Medikamentation. Grundidee ist, daß Ärzte, Spitäler, Apotheken via e-Card ablesen können, welche Medikamente die Patienten einnehmen, und ob bei Neuverschreibungen Wechselwirkungen zu befürchten sind. Das ist es auch schon, denn die Patienten können bestimmen, was veröffentlicht wird und nicht, somit ist die bruchstückhafte Information wertlos.
Zusätzlich wird über recht freizügige Vergabemethoden gestritten die formalrechtlich so enden sollen, daß die 6-monatige Einspruchsfrist (Stichtag 10.August 2010: Abkommen Hauptverband/Gehaltskassa über das Pilotprojekt) schon abgelaufen sei. Das Abkommen wurde aber nie offiziell publik gemacht.
Und dann wundern sich wirtschaftlich und politisch Verantwortliche, daß die Bevölkerung fast schon in allen Projekten nur mehr “Gaunereien” sieht.
Der österreichische Weg zu einer Gesundheitsreform.
Es bewegt sich etwas auf dem Gebiet der Gesundheitsreform. OÖ versucht mit vielen Unterarbeitsgruppen und politischen Experten zu einem Modell zu finden, auf Bundesebene streiten Ärztekammer, Hauptverband und Ministerium wer, wann, mit wem, wo, sprechen soll und in Salzburg zwingt man die Ärzte die billigsten Nachbaumedikamente (Generika) zu verschreiben – verletzt dabei die Therapiefreiheit des Arztes und riskiert teuere Folgekosten durch Nebenwirkungen anderer Hilfsstoffe. Bringt kostenmäßig unter dem Strich nichts, aber es ist ein Zeichen des Sparwillens gesetzt worden. Wie gesagt, es bewegt sich etwas.
Ohne die Sache im Detail zu kennen, scheint Vorarlberg in der Effizienz der Reformbewegung wieder einmal die Nase vorne zu haben. Anbei ein Artikel über schon durchgeführte und kommende Maßnahmen. Noch ist nichts fix, da das Land bei einem wesentlichen Punkt die Zustimmung des Bundes benötigt.
E-Medikamentation, Hauptverband und einige Umfragezahlen
Die Einführung der E-Medikamentation, sieht ein Großteil der Bevölkerung wesentlich entspannter, als die Kontrahenten Apotheker versus Ärzte.
90 Prozent der Bevölkerung ist mit der Idee einverstanden, daß verordnete Medikamente in einer Datenbank gespeichert und in Bezug auf Wechselwirkungen oder Doppelverordnungen überprüft werden. Die Prüfung der Medikamente sollte nach Ansicht von 77% der Befragten der niedergelassene Arzt durchführen. Viele (67%) möchten auch selber online die Datenbank einsehen.
Die E-Medikamentation startete im Frühjahr als Pilotprojekt in den Regionen Wels-Grieskirchen, Bezirk Reutte und in Wien Donaustadt, wird bis Jahresende evaluiert und soll flächendeckend im Jahr 2012 starten.
84% der Österreicher halten das österreichische Gesundheitssystem für eines der besten und sind auch mit dem Leistungsangebot der Krankenkassen zufrieden. Trotzdem halten 77% die bisher getroffenen Maßnahmen für nicht ausreichend und unterstützen die Forderung des Hauptverbandes nach einer ganzheitlichen Reform.
Spätestens an dieser Stelle muß man zum Auftraggeber dieser GfK Umfrage (4.000 Befragte August/September) kommen. Überraschung, es ist der Hauptverband.
Die Zahlen im Gesundheitsbereich. E-Medikamentation und Masterplan des Hauptverbandes.
Im Gesundheitsbereich schwirren immer wieder neue Finanz-Zahlen herum, kurz gesagt, die Bandbreite bewegt sich zwischen Finanzkollaps und Millionenüberschüsse. Was stimmt nun? Anbei ein paar Fakten dazu:
Der Vorstandsvorsitzende des Hauptverbandes, H.J.Schelling, verweist darauf, daß die Kassen die vereinbarte Kostendämpfung von € 214 Mio mit nunmehr € 270 Mio übertreffen. Dafür erhalten die Kassen heuer noch € 100 Mio aus dem Strukturfonds, ab 2011 soll der Betrag nur mehr € 40 Mio betragen.
Der Generaldirektor im Hauptverband der Sozialversicherungen, J.Kandlhofer, verweist auf einen Überschuss von € 250 Mio. Kommt dadurch zustande, daß sich die Beitragszahlungen durch mehr Beschäftigte erhöht haben, sowie durch Medikamenteneinsparungen von 5%. Jedes Prozent bringt € 30 Mio.
Die Wiener GKK prognostizierte Anfang des Jahres für 2010 einen Verlust von € 31,3 Mio, im August verkündeten sie einen voraussichtlichen Gewinn von € 39,8 Mio. ?????? Die Salzburger GKK prognostizierte im November 09 für 09 ein Defizit von € 15 Mio, tatsächlich waren es 09 dann ein Defizit von € 8,3Mio. Die SGKK erklärte via Medien am 8.August 2010, sie werde ein Defizit von € 10 Mio haben, am 17. August waren es nur mehr € 4 Mio, jetzt Anfang November schwankt die Bandbreite des Defizites von € 5 – 8 Mio. Und erklären noch, hohe Rücklagen zu besitzen. Die Kärntner GKK prognostiziert für 2010 ein plus von € 8,9 Mio und jammert zugleich über die hohen Medikamentenkosten. Ihr Vorschlag: Mehr Generika zu verschreiben, oder die lange Medikamentenliste der Patienten zu verringern. Dabei haben die Kärntner schon vor 5 Jahren den Medikamentenpass eingeführt – die elektronische E-Medikamentation scheitert österreichweit vorläufig an Datenschutzeinwänden und am Prestigekampf Ärzte gegen Apotheker.
Ein in der Öffentlichkeit fristendes Schattendasein sind auch die 16 “Krankenfürsorgeeinrichtungen” (KFA) für Landes- und Gemeindemitarbeiter. Deren Tarife liegen laut Expertenbericht um durchschnittlich zehn Prozent über jenen der Beamtenversicherung (BVA). Die Krankenfürsorge für Linzer Stadtbeamte zahlt den Zahnärzten sogar um 30 Prozent höhere Honorare. Inklusive den KFAs gibt es in Österreich 35 Krankenversicherungsträger. Die Gesamtverschuldung aller Gebietskrankenkassen macht rund € 940 Mio aus.
Denke einmal, es weiß keiner genau Bescheid, was, wie, wo exakt abläuft und bezahlt wird. Je nach Verhandlungstufe werden scheinbar die jeweils passenen Zahlen und Bereiche hervor geholt. So kann man das Vertrauen vollends zerstören. Am 17. November 2010 soll nun der für März groß angekündigte Masterplan des Hauptverbandes zur Reform des Gesundheitssystems präsentiert werden. Bin schon auf den Inhalt gespannt.
Anbei ein paar Wissenbausteine zur Spitalsfinanzierung:
Konflikt zwischen SGKK und der Pharmaindustrie wegen des Ökotoollistenzwangs.
Der im Jänner beginnende Gerichtskonflikt zwischen Pharmaverband und Salzburger Gebietskrankenkasse (SGKK) hat es im Detail schon an sich. Durchforstete einige Medien und sehe folgende Fakten:
1. Eine belegbare monetäre Einsparung (Salzburg 1.Hj € 1,2 Mio), die aber nicht alleine aufgrund des Ökotoollistenzwangs zurückzuführen ist. Denn es laufen auch kontinuierlich Patente ab, so daß die Medikamentenpreise automatisch günstiger werden. (Bis 2013 österreichweit dadurch Einsparungen in der Höhe von rund € 900 Mio).
2. Der Listenzwang hebelt den bestehenden Erstattungskodex aus. Dieser ist eine bundeseinheitliche Rechtsbasis für alle Fragen, betreffend die Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Darin steht, welche Medikamente von der Krankenkasse übernommen werden, welche extra genehmigt werden müssen und wie viel jedes einzelne kostet. Ausschließlich der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (HVB) ist dafür zuständig. Die vor einigen Jahren angebotene Online-Datenbank Ökotool stellt Gruppen von Medikamenten aus dem Erstattungskodex zusammen, die vergleichbar sind. Somit sieht der Arzt auf einen Blick mögliche Alternativen von Medikamenten mit gleichem Wirkstoff nach Kosten gereiht. In Salzburg sind die Vertragsärzte nun dazu verpflichtet, die preislich günstigste Variante zu verschreiben. Dieser Zwang unterläuft aber die Alleinstellung des Hauptverbandes mit dem Erstattungskodex. Das bekräftigte auch das Ministerium für Gesundheit, welches keinen Raum für die Erstellung von abweichenden Listen vorhanden sieht. Somit wäre die eigenständige Salzburger Ökonomieliste rechtswidrig.
3. Laut Pharmaverband vergleicht die Liste unterschiedliche Medikamente mit unterschiedlichen Wirkstoffen und damit verbunden unterschiedlichen Neben- und Wechselwirkungen. Somit schließt die SGKK ihre Versicherten von der Versorgung mit einigen wichtigen Medikamenten aus und riskiert Unannehmlichkeiten für die Patienten, die bei einer Medikamentenumstellung verbunden sein können. Risken, die oft wieder zu einem längeren Krankenstand führen, der wiederum Kosten für die Allgemeinheit verursacht.
4. Die Therapiefreiheit des Arztes wird eingeschränkt. Die Entscheidung darüber, was für den Patienten das Beste ist, bleibt somit nicht mehr beim Arzt.
5. Was bedeutet ökonomisch in der Medizin? Wenn der Patient mit einem teueren Medikament schneller gesund wird, ist auch das ökonomisch. (Siehe Punkt 3)
6. 2008 wurde für 3 Jahre ein Rahmen-Pharmavertrag zwischen dem Hauptverband, 104 Unternehmen der Pharmaindustrie und 10 Unternehmen des pharmazeutischen Großhandel bzgl. eines freiweilligen Solidaritätsbeitrag abgeschlossen. Dieser Vertrag beläuft sich auf € 181 Mio. Auch dies soll fairerweise einmal gesagt werden.
Mit einem Wort, der Prozess Anfang Jänner verspricht heiß zu werden. Man kann nur hoffen, daß die Patienten nicht unter die Räder kommen, denn die Therapietreue (Compliance) ist ein wesentlicher Punkt zur raschesten Genesung. Verunsicherungen durch Medikamentenumstellungen Richtung billigste Nachbauprodukte (Generika) sollten vermieden werden.Vor allem in sensiblen Bereichen der Medikamentation, wie z.B. bei psychischen Erkrankungen, soll der Patient die bestmöglichste Variante erhalten.
Kosten der Krankenstandstage durch zusätzliche Nebenwirkungen bei billigen Nachbauprodukten (Generika)
In einem Artikel von Anfang Oktober habe ich auf die Krankenstandstage hervorgerufen durch Migräne hingewiesen. Im letzten Format war ein Bericht über die “Berufskrankheit Kopfweh”, in dem ebenfalls über die Krankenstandstage berichtet wurde. Die Zahlen sind geringer als meine andere Quelle, nur noch immer erschreckend hoch. 8,4 Mio Krankenstandstage sind nur auf Kopfschmerzen zurückzuführen. Das kostet volkswirtschaftlich rund € 3,6 Mia pro Jahr!!! Hier präventiv durch Früherkennung einzugreifen und durch gezielte Therapien zunehmende Schmerzfreiheit zu erzielen, würde allen helfen.
Der Hauptverband freut sich über die Einsparung bei Medikamentenkosten in Salzburg durch die zwanghafte Ökotool-Umsetzung. Originalmedikament muss durch billigstes Nachbauprodukt (Generika) ersetzt werden. Klingt kostenmäßig gut, nur rechnet man die zusätzlichen Krankenstandstage durch neue Nebenwirkungen oder durch Therapieabbruch mit ein, sieht das Bild der Einsparung wieder anders aus. Aber dieser Faktor wird eisern ausgeklammert. Was nicht sein darf, darf nicht sein.



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