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E-Medikamentation, Hauptverband und einige Umfragezahlen
Die Einführung der E-Medikamentation, sieht ein Großteil der Bevölkerung wesentlich entspannter, als die Kontrahenten Apotheker versus Ärzte.
90 Prozent der Bevölkerung ist mit der Idee einverstanden, daß verordnete Medikamente in einer Datenbank gespeichert und in Bezug auf Wechselwirkungen oder Doppelverordnungen überprüft werden. Die Prüfung der Medikamente sollte nach Ansicht von 77% der Befragten der niedergelassene Arzt durchführen. Viele (67%) möchten auch selber online die Datenbank einsehen.
Die E-Medikamentation startete im Frühjahr als Pilotprojekt in den Regionen Wels-Grieskirchen, Bezirk Reutte und in Wien Donaustadt, wird bis Jahresende evaluiert und soll flächendeckend im Jahr 2012 starten.
84% der Österreicher halten das österreichische Gesundheitssystem für eines der besten und sind auch mit dem Leistungsangebot der Krankenkassen zufrieden. Trotzdem halten 77% die bisher getroffenen Maßnahmen für nicht ausreichend und unterstützen die Forderung des Hauptverbandes nach einer ganzheitlichen Reform.
Spätestens an dieser Stelle muß man zum Auftraggeber dieser GfK Umfrage (4.000 Befragte August/September) kommen. Überraschung, es ist der Hauptverband.
E-Medikamentation und der Weg zur Umsetzung
Ebenfalls ein Baustein zur Eindämmung der Kosten im Gesundheitsbereich, sowie für mehr Sicherheit für den Patienten, ist die E-Medikamentation. Es laufen ab 2011 österreichweit in 3 Gebieten Feldversuche, nach deren Evaluierung könnte die E-Medikamentation 2012 in Gesamtösterreich eingeführt werden. Zusätzlich gibt es seit 5 Jahren in Kärnten den Medikamentenpass. Ziel dieser Maßnahmen soll sein, störende Neben- und Wechselwirkungen bei Einnahmen mehrerer Medikamente zu verhindern. Ein Überblick für Patienten, Ärzte und Apotheker ist somit gegeben.
Der Eintrag auf der e-card hat natürlich Datenschützer auf den Plan gerufen, und auch die Apotheker legten sich bis jetzt dagegen quer, da sie die rezeptfreien Medikamente nicht erfaßt haben wollen. Bin gespannt, ob die Bedenken ausgeräumt werden, da ein Wissen über die Patienten-Verwendung von Medikamenten nur zum Vorteil für Patienten sein können.
Sind Ärzte “Freiwild” im Berufsleben?
Im regelmäßigen Rythmus tauchen in den Medien Berichte über die unzumutbaren Arbeitszeiten der Spitalsärzte auf. Manchmal schaffen es diese Berichte zu mehr Bekanntheit, meistens bleiben sie Randnotizen. Wieso?
Aktuell wurde über die Arbeitsbedingungen der Ärztinnen geschrieben. Die Arbeitszeit beträgt im Schnitt 54 Stunden, 25% versehen ihren Dienst mit rund 60 Stunden, was den gesetzlichen Rahmen sprengt. Rund 36% dieser Zeit fallen für administrative Tätigkeiten an, Tendenz stark steigend. Durchschnittlich werden 4,3 Nachtdienste im Monat absolviert. Wenn ich die Erfahrungswerte aus Familien- und Freundeskreis mit einbeziehe, dann kommen mir diese Zahlen noch “attraktiv” vor. Mit einem Wort, hier arbeitet im Spitalsbereich eine Berufsgruppe, die verglichen mit anderen Branchen eine weit überdurchschnittliche Arbeitsstundenanzahl aufweist. Jetzt kann der Einwand kommen – die verdienen gut – sicher wird jede Stunde abgerechnet, doch eines wird vollkommen ignoriert: Die Verantwortung und der permante Leistungsdruck.
In diesem Bereich geht es um Menschenleben, richtige Diagnosen und Entscheidungen müssen oft in kürzester Zeit getroffen werden. Manchmal ist es wie am Fließband – nur die ” Produkte” sind Menschen. Ob in einem anderem Beruf nach 12 Stunden der Stempel etwas schief aufgesetzt wird ist egal, aber der operative Eingriff am Ende einer 60 Stunden-Woche muß exakt sein.
Warum ist das so? Wieso schaffen es Lehrer gegen 2 Wochenstunden mehr Unterrichtszeit sich erfolgreich quer zu legen. Wieso können sich Volksschullehrerinnen mit Ende 40 karenzieren lassen, Burn-Out gefährdet ist die Diagnose. Scheinbar ist diese Berufsgruppe und viele andere auch, gewerkschaftlich bestens organisiert und vertreten. Kommt vielleicht der Neid noch dazu, Ärzte verdienen gut?
Und wen trifft es? Die Patienten. Ob im Bereich Ärzte/Praxis/Spital, oder durch Sparmaßnahmen im Medikamentenbereich, wo die zwanghafte Umsetzung von Ökotool – billigstes Medikament/Generika – Patienten verunsichert und Therapieerfolge beeinträchtigt.
Denke, wenn wirklich effizient in einigen Bereichen des Gesundheitssystems eingespart wird und die Strukturen verbessert werden, kann die beste medikamentöse Behandlung angewandt und die Belegschaft der Ärzte in Spitälern so gestaltet werden, daß 60 Stunden-Wochen passè sind. Man muß es nur wollen und auch anpacken!
Zahlenquellen Generikaanteile, Pharma-Absatzmarkt und was davon zu halten ist.
Aktuell haben es mir die Zahlen angetan, welche in Diskussionen, bei Vergleichen, bei Prognosen und Präsentationen, als Basis für zukünftige Maßnahmen herangezogen werden. Siehe da, es spießt sich fast überall. Ob es die von mir erwähnten Prognosen der Gebietskrankenkassen, die Schuldenkrise Österreichs, Griechenlands, neuerdings Irlands, oder über Pensionssysteme sind, welche Zahlen stimmen wirklich? Die “aufgeklärte” Informationsgesellschaft rühmt sich, Dank Medienvielfalt und neuer Möglichkeiten der Selbstrecherche über alles informiert zu sein. Nur, welche Zahlen sind korrekt?
Anbei ein Beispiel über den Pharma-Absatzmarkt und den Generikaanteilen. Das Chart beruht auf einer Quelle von “Sandoz/Novartis, IMS Health, Stand 2007″, präsentiert in einem Wirtschaftsmedium von einem Investmentfondsmanager im November 2010:
Als Gegenstück vorgestellte Zahlen eines anderen Fondsmanagers im Juli 2010, die sich auf eine Quelle von 2008 berufen: Generikaanteil USA 53%; Japan 16%; Deutschland 41%
Und auf Basis dieser unterschiedlichen Zahlen werden Investitionen getätigt und Beratungen durchgeführt? Mich wundert nun nichts mehr.
Ist Österreichs Gesundheitssystem um so viel effizienter?
“Das österreichische Gesundheitssystem ist gut und effizient, schließlich haben wir nur 7% Kassenbeiträge, in Deutschland sind es 15%.” Diesen Satz hört man von höchten Politikern und Gesundheitsexperten im politischen Dunstkreis des Machtapparates. Auch hier wird die Bevölkerung wieder einmal in die Irre geführt. 7 zu 15 klingt gut, ist aber falsch!
Denn, die selbstverwalteten Kassen in Deutschland finanzieren sich ohne Steuergeld. Im Gegesatz zu Österreich, wo der Steuerzahler noch einmal, diesmal indirekt, dazu zahlt. Der Gesamtbetrag für das Gesundheitswesen beträgt in Österreich rund € 21 Mia, davon werden rund 10 Mia über die direkten Kassenbeiträge abgedeckt, der Rest aus dem Steuertopf.
Sieht man sich die pro Kopf-Ausgaben an, gibt Österreich ca. 5-10% mehr aus als Deutschland. Soviel zur tollen Effizienz unseres Gesundheitssystems.
Das in Deutschland nicht alles positiv läuft, siehe älteren Artikel, ist unbestritten, auch dort werden Strukturreformen nicht richtig angepackt. Der immense Vorteil ist aber der, daß in Deutschland die Finanzierung praktisch aus einer Hand erfolgt. In Österreich mischen über die steuerliche Finanzspritze noch Länder, Bund, Gemeinden mit, sowie die Sozialpartner. Fazit: Zu viele Köche verderben den Brei – und die Jubelmeldungen über die 7% sind reine Augenauswischerei.
Ökotool, EKG, Medikamentenverschreibung und der volkswirtschaftliche Nutzen.
Auf den ersten Blick ist dieser Artikel zum Schmunzeln, denkt man aber ein bißchen nach, vergeht einem als finanzieller Erhalter des Systems das Lächeln. Und der Bereich Gesundheit ist nicht der einzige in diesem Lande.
Aber halt: es wird gespart. Die Kassen schreiben z.B. niedergelassenen Ärzten exakt vor, wieviel EKGs gemacht werden dürfen, oder welche Medikamente er seinen Patienten verschreiben darf. Ökotool ist das Zauberwort, in Salzburg mittlerweile Pflicht geworden. Wehe , er hält sich nicht an die Vorgaben, ein Kassenvertrag ist schnell weg. Falls ein Patient zusätzlich neue Nebenwirkungen aufgrund einer Medikamentenumstellung von Original auf ein Nachbauprodukt (Generika) bekommt und dadurch sich länger im “Krankseinsystem” aufhält und vielleicht gar ein Krankenhaus aufsuchen muß, kein Problem, denn lt. Pichlbauer-Artikel muß das volkswirtschaftlich gesehen werden. Hauptsache es wird seitens der Kassen und der Politik hinausposaunt, wir sparen bei den “überbezahlten” Medikamenten.
Problembereich Generika schon lange bekannt.
Ein bißchen im Archiv schmöckern und zurückliegende Aussagen aufstöbern, ergibt ein ganz interessantes Bild. Hier ein Bericht von 2005 über Generika und ihre Zukunft.
Psychiatrische Erkrankungen und die Kosten
Unlängst ist mir eine Kostenauflistung von psychiatrischen Erkrankungen in Österreich untergekommen. Die 5 häufigsten Erkrankungen (Abhängigkeit, affektive Erkrankungen – Depressionen und bipolare Erkrankungen – Angsterkrankungen, Demenz und Psychosen) verursachen in Österreich jährliche Kosten von € 7,16 Mia. Europaweit betragen die Kosten € 295 Mia.
An den affektiven Störungen leiden in Österreich rund 1,5 Mio Personen. Die Erkrankung, die pro Patienten und Jahr die meisten Kosten verursacht, ist die Demenz mit € 13.635, gefolgt von Psychose mit € 9.487 und affektiver Störung mit € 5.138 pro Jahr.
Dies ist gesundheitspolitisch interessant, da die Zahl der Demenzkranken in den nächsten Jahren aufgrund der demographischen Entwicklung stark ansteigen wird. Die medikamentöse Behandlung dieser 5 psychiatrischen Erkrankungen verursacht nur ca. 3% der Gesamtkosten.
Stellt sich die Frage, warum wird bei Sparplänen für das Gesundheitssystem immer auf die Medikamentenkosten verwiesen? Kann es sein, daß der Einsatz von Medikamenten bei nicht so relevanten Erkrankungen vielleicht überproportional ist? Unter dem Motto: “Heute geht es mir nicht gut – ich brauche etwas”.
Reform des Gesundheitssystems auf privatwirtschaftlichen Ansatz.
Berater von Egon Zehnder International haben nun ihre Expertise zu Kostensenkungspotentialen im Gesundheitswesen abgegeben. “Privatwirtschaftlich hieße nicht nur Gewinnorientierung, sondern das Hereinholen von Managerkompetenz. Diese würde eher große Kostenblöcke wie Personalkosten anfassen und nicht periphere wie Reinigung oder im Küchenbereich.” Als Musterbeispiel wird die Vinzenz Holding der Barmherzigen Schwestern angeführt. Soviel zur Theorie!
Zufällig kenne ich dort Leute, die schon seit langen den Kopf über eigenartige Managerentscheidungen schütteln. Auf den Punkt gebracht: Unten wird beim Personal rausgeholzt und ganz oben neue gutbezahlte Managerboardebenen eingezogen, die mit dem aktiven Tagesablauf an der “Patientenfront” nichts zu tun haben. Es geht Richtung Elfenbeinturm, falsch, es hieß doch Managerkompetenz, oder?



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