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Medikamentenkosten, Ökotool und was kostet ein Originalmedikament nach Patentfreigabe wirklich?
Mit Zahlen wird generell sehr manipulativ umgegangen. So auch im Bereich der Medikamentenkosten. Habe mich einmal ein bißchen informiert und bin auf folgendes gestoßen:
Es wird immer von ca. € 3 Mia Medikamentenkosten in Österreich pro Jahr ausgegangen, die die Krankenkassen berappen müßen. Dies stimmt so nicht, denn die in dieser Berechnung inkludierte Rezeptgebühr bezahlen die Patienten selbst und die Mehrwertsteuer wird den Kassen rückerstattet. Die Nettoausgaben der Kassen für Medikamente liegen daher bei 2,2 Milliarden Euro.
Die sehr strenge Arzneimittelpreisregelung in Österreich führt nach Ablauf des Patentschutzes zu folgender Preisspirale: Bei Aufnahme des 3. Nachbauproduktes (Generikum) in den Erstattungskodex muss das Originalprodukt auf den Preis des Generikums zurückgehen. Dadurch liegen die Preise für Arzneimittel 18,6 Prozent unter dem EU-15-Durchschnitt.
Fehlerhaftes Generikum – Rückholaktion
Ende März erfolgte ein Auslieferungsstopp auf Großhandelsebene für clopidogrelhaltige Generika. Ursache ist die fehlerhafte Produktion des Wirkstoffes. (Generika werden fast nur in China oder Indien produziert), Betroffen sind die Produkte Clopidogrel Sandoz, Clopidogrel Ratiopharm, Clogelhexal und Clogombix.
Besser bekannt sind diese Generika unter dem Originalnamen Plavix, daß nach Herzinfakten und generell zur Blutverdünnung verschrieben wird.
Den Stopp hat der Fachausschuss der europäischen Arzneimittelagentur veranlaßt, die EU-Kommision schloss sich an, in Folge ebenso das österreichische Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (AGES PharmMed).
So weit so gut, nur warum wurden diese Generika überhaupt zugelassen? Noch dazu für schwerkranke Patienten, zu deren Wohl das beste Medikament eingesetzt werden sollte. Und nicht ein Nachbau, der sowieso in seiner Bioäqivalenz vom Original abweicht. Sparten hier die Krankenkassen auf Kosten der Patienten? Stellt sich auch die Frage, wie lange war das fehlerhafte Generikum am Markt, wie lange dauert der Austausch und wie viel Patienten hatten dadurch massivste Probleme? Europaweit, in Österreich?
Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem und deren mögliche Folgen.
Sparmaßnahmen wie sie derzeit von der Salzburger Krankenkasse durchgeführt werden, sehen vor, daß Patienten nur mehr auf ein billigeres und unter Umständen nicht gleichermaßen wirksames Medikament umzustellen sind. In jeder Medikamentengruppe darf nur mehr das billigste Medikament verschrieben werden.
Der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. Musalek, warnt vor gravierenden Rückschlägen in der Therapie der Depressionen, falls verschiedene Medikamente in ihrer Wirkung nicht mehr frei verschrieben werden können. Denn eine Depression ist nur durch Regelmäßigkeit sehr gut zu behandeln. Ein öfterer Wechsel führt zu Verunsicherung, zu Therapieunterbrechung und zu weiterem Leiden der Patienten.
Selbst der neue Obmann des Österreichischen Generikaverbandes, Bernd Leiter weißt darauf hin, daß es zu Mehrkosten aufgrund von Verwechslungen und Falscheinnahmen kommen wird. Denn ein günstiges Generikum muß durch ein noch günstigeres ersetzt werden, selbst bei einem Preisunterschied von nur 5 Cent unterliegt der Arzt diesem Verordnungszwang.
Jetzt Frage ich mich, sehen die Kasse und sonstige politisch Verantwortlichen nur die Einsparungskosten? Selbst von einem zum anderen Generikum gibt es Probleme, wie sieht es dann erst aus von einem vertrauten Original zu einem Generikum? Noch dazu kann es innerhalb des Generikumwechsels zu gravierenden Nebenwirkungen kommen. Denn die Bandbreite der Bioäquivalenz “schaukelt” sich auf. Haben die Kassen auch medizinische oder nur Finanzberater?
Psychische Erkrankungen und die Umstellung vom Original auf ein Generikum.
Seit dem ich im Bekanntenkreis mich bzgl. Original versus Generika umhöre, kommt natürlich auch immer der Einwand, für welchen Einsatzbereich. Sicher, ein Generikum gegen Halsweh ist etwas anderes als z.B. im Bereich psychischer Erkrankungen.
In diesem Therapiebereich hat das Vertrauen zwischen Arzt und Patient einen immens hohen Stellenwert und ist ein entscheidendes Kriterium, ob eine Therapie im Sinne des Patienten erfolgreich ist oder nicht. Bis der Patient “sein” Medikament nach Verordnung einimmt, braucht es eine intensive Vorarbeit seitens des Arztes und Vertrauen , das durch plötzliche Medikamentenänderung zu Irritationen führen kann. Aus Erfahrungen weiß man, daß ca. die Hälfte der ärztlichen Verschreibungen in der Apotheke nicht eingelöst werden. Bei psychischen Erkrankungen leben die Patienten von Grund auf in einer fragilen seelischen Balance und sind leicht zu verunsichern. Ein Wechsel vom Original, vom Vertrauten zu einem Generikum, anderer Name, andere Verpackung, löst Misstrauen aus und wenn der Patient dieses neue Medikament nicht einnimmt, sind Rückfälle vorprogrammiert. Die Folgen können bis zum Suizid reichen. Verstärkt wird das Misstrauen gegenüber Generika noch dadurch, daß andere Nebenwirkungen auftreten können. Denn Generika und ihre Wirkungen müssen in klinischen Studien nicht nachgewiesen werden und die Schwankungsbreite in der Bioäquivalenz ist ein großer Unsicherheitsfaktor.
Das Gesundheitssystem muß sparen ist die aktuelle Devise, es stellt sich aber die Frage, ob die Preiseinsparungen durch eine Umstellung auf ein Generikum nicht wesentlich geringer sind als die potentiellen Gefahren durch Abbruch der Therapie oder Rückfälle? Denn die Kosten für Arbeitsausfall oder Rehab sind nicht zu unterschätzen. Und die Preisdifferenz zwischen Original und Generika ist in Österreich aus gesetzlich vorgeschriebenen Gründen minimal.
Kann ein Generikum den Verlauf einer Depressions-Therapie beeinträchtigen?
Ganz interessant der Verlauf der Depression bei Therapieunterschiedlichkeiten. Im wesentlichen nichts gravierend Neues, nur im Lichte des Einsatzes oder Wechsels zu Generika können sich hier ungeahnte Nebenfaktoren auftun. Es muß nicht sein und es wird auch scheinbar seitens der Sozialversicherung nicht buchgeführt ob ein Patient durch Generika und deren Hilfsstoffe Rückfälle bekommt und dadurch z.B. wieder länger im “Krankenstand” verbringen muß. Auch dies ist bzgl. der Kosten einmal aufzuzeigen, denn diese könne auch indirekt sein und in Summe die Medikamenteneinsparungskosten vom Original zum Generikum konterkarieren. Gibt es da eigentlich volkswirtschaftliche Untersuchungen dazu?
Schwankungsbandbreiten von Generikum zu Generikum
Nach Erfahrungen im klinischen Alltag bei Epilepsipatienten ist die Umstellung vom Original zu einem Generikum vorallem bei der Bioäquivalenz mit Problemen behaftet. Denn sie ist nicht ident. Besonders problematisch ist die Umstellung von einem Generikum auf ein anderes, da die erlaubte Schwankungsbandbreite der Bioäquvalenz von 80 bis 125% im Vergleich zum Original sich im schlimmste Fall addieren kann. Mögliche Folgen: unnwirksame bis zu toxischen Dosen.
Stellt sich wieder einmal die Frage, kommt der Patient durch die Sparverordnung bei medikamentösen Behandlungen unter die Räder?


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