Artikel getaggt mit ‘Gebietskrankenkassen’
Risiko Pharmaforschung – Hängematte Krankenkassen.
In einem der letzten Artikel hatte ich über die Medikamentenentwicklungskosten berichtet, prompt ereilte einem forschenden Unternehmen ein drastischer Aktienkurssturz. Grund: Ein Update für den Impfstoff gegen Krankenhausinfektionen. Ein Expertengremium hat bei den laufenden Studien die Aussetzung der weiteren Probandenrekrutierung empfohlen. Prompt brach der Kurs um 30% ein.
Auch wenn in dem Patentzeitraum gutes Geld gemacht werden kann, der Weg bis dorthin ist finanziell extrem risikoreich. Das kann sich jemand aus dem Dunstkreis der Gebietskrankenkassen und des Hauptverbandes nicht vorstellen, denn dort macht ein Defizit nichts aus. Die Allgemeinheit (Steuerzahler) sorgt schon für den Ausgleich.
Sind die Gebietskrankenkassen wirklich so gut?
Es wird in vielen Bereichen des politischen und wirtschaftlichen Lebens geschummelt, daß sich die Balken biegen. Siehe Budgetausgliederung von ÖBB und Asfinag aus dem Bundesbudget, schon passen die Richtlinien für Brüssel. So ähnlich scheint es auch bei den Gebietskrankenkassen zu sein. Wie schon letzte Woche beschrieben, jubeln alle über ihr Plus, doch diese ergaben sich nicht durch Strukturverbesserungen und effiziente langfristige Einsparungen im Verwaltungsbereich, sondern primär durch Zahlungen seitens des Bundesausgleichfonds der Krankenkassen und in Wien durch Rückzahlungen seitens der Stadt.
Beispiel Tirol: Operativ wurde 2010 ein Verlust von € 1,5 Mio geschrieben, der vorgezeigte Bilanzgewinn liegt dann bei € 14,3 Mio. Der Voranschlag für 2011 weist einen Bilanzgewinn von € 2,7 Mio auf, darin enthalten sind aber Ausgleichszahlungen und außerordentliche Ertrage von insgesamt € 28,3 Mio und eine erwartete Beitragssteigerung von 3,1%. Ab 2012 wird es wieder etwas “ehrlicher”, denn die Ausgleichszahlungen werden kräftig gekürzt.Das wird den ab 1. April neu tätigen TGKK-Chef aber sicher nicht freuen.
Fazit: Es sind Zahlen im Umlauf, die dem wahren Ertrag nicht entsprechen und dann wundert man sich wieder über plötzliche Verluste, jammert über gestiegene Kosten und setzt den Hebel bei den Patienten an, in dem man die Selbstbehalte erhöht, bei der Medikamentation spart und die Therapiefreiheit des Arztes durch den Generikazwang (Salzburg) einschränkt. Dafür ist von Einsparungen im Verwaltungssystem der Krankenkassen weit und breit nichts zu sehen.
Zahlenquellen Generikaanteile, Pharma-Absatzmarkt und was davon zu halten ist.
Aktuell haben es mir die Zahlen angetan, welche in Diskussionen, bei Vergleichen, bei Prognosen und Präsentationen, als Basis für zukünftige Maßnahmen herangezogen werden. Siehe da, es spießt sich fast überall. Ob es die von mir erwähnten Prognosen der Gebietskrankenkassen, die Schuldenkrise Österreichs, Griechenlands, neuerdings Irlands, oder über Pensionssysteme sind, welche Zahlen stimmen wirklich? Die “aufgeklärte” Informationsgesellschaft rühmt sich, Dank Medienvielfalt und neuer Möglichkeiten der Selbstrecherche über alles informiert zu sein. Nur, welche Zahlen sind korrekt?
Anbei ein Beispiel über den Pharma-Absatzmarkt und den Generikaanteilen. Das Chart beruht auf einer Quelle von “Sandoz/Novartis, IMS Health, Stand 2007″, präsentiert in einem Wirtschaftsmedium von einem Investmentfondsmanager im November 2010:
Als Gegenstück vorgestellte Zahlen eines anderen Fondsmanagers im Juli 2010, die sich auf eine Quelle von 2008 berufen: Generikaanteil USA 53%; Japan 16%; Deutschland 41%
Und auf Basis dieser unterschiedlichen Zahlen werden Investitionen getätigt und Beratungen durchgeführt? Mich wundert nun nichts mehr.
Ärzte-GmbHs und deren Umsetzung.
Vor 3 Monaten ist die gesetzliche Grundlage für die Gründung einer Ärzte-GmbH in Kraft getreten. Gründungen bis jetzt: Null. Anlaufschwierigkeiten mit Modellen der GmbH gab es auch in anderen Berufsgruppen, trotzdem sollte ein Blick auf 3 wesentliche “Bremsfaktoren” gelegt werden:
1. Ärztekammer und Gebietskrankenkassen haben ein Zustimmungs- und Vetorecht für die Aufnahme von Gesellschaftern.
2. Die Reihung der Bewerber wird von der Ärztelkammer vorgenommen und nicht von den übrigen Ärzten der GmbH!!!
3. Die GmbH darf keine Ärzte anstellen und nur Ärzte dürfen Gesellschafter der GmbH werden.
So viel zur freien Marktwirtschaft in Österreich. Die Ärzte-GmbH wird sich für Gruppenpraxen, die hohe Investitionen tätigen müssen – z.B. in der Radiologie – als sinnvolle Plattform anbieten. Auch bzgl. der Haftung gibt es Vorteile, da die Gesellschafter nur bis zur Höhe ihrer Gesellschafteranteile haften, bei der bisherigen Möglichkeit der OG mussten alle Ärzte voll mit ihrem Privatvermögen haften. Die neue Haftpflicht-Mindestdeckung für GmbHs beträgt nun € 10 Mio. Steuerlich sehen es Steuerexperten ein bißchen unterschiedlich, sie gehen aber davon aus, dass OGs und Einzelgesellschaften Vorteile haben.
Mit einem Wort, Ärzte-GmbHs können gegründet werden, aber diese Form besitzt einige nicht zu unterschätzende “Fesseln”.
Ärztekammer und Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft
Das Problem verstehe ich nicht. Ist dies wieder einmal typisch Österreich? Wieso zahlt die SVA bei einigen Positionen höhere Honorare als die Gebietskrankenkassen? Zahlen die Selbständigen mehr ein als andere? Kann nicht sein, da es auch noch Selbstbehalte gibt wie bei den Beamten.
Hat dieses Wirrwar irgendwann mal Sinn gemacht? Wäre dies nicht eine Aufgabe der politisch Verantwortlichen, hier eine einheitliche Regelung zu schaffen? Glaube, daß es in sehr vielen Bereichen so eigenartige Entwicklungen gibt, die nur kosten und Funktionärsposten bringen.


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