Artikel getaggt mit ‘E-Medikamentation’
Start der E-Medikamentation als vorläufiger Probebetrieb.
Obwohl die Software-Ausschreibung und die Kosten des Probebetriebes noch nicht im Reinen sind, startet Mitte April ein Probebetrieb in folgenden regionalen Bereichen: Wien-Donaustadt, Floridsdorf; OÖ – Wels/Stadt, Wels/Land, Grieskirchen und Eferding; Tirol – Reutte, Imst und Landeck.Dies sind insgesamt rund 500.000 Krankenversicherte. Als Abwickler fungieren rund 100 niedergelassene Ärzte, 50 Apotheken und sechs Krankenanstalten.
Diese Testphase soll zunächst über neun Monate laufen, sollte alles klappen, wird im dritten Quartal 2012 die E-Medikamentation auf ganz Österreich ausgeweitet. Das Ziel, Wechselwirkungen und Mehrfachverschreibungen von Medikamenten zu unterbinden ist gut, nur die Tatsache, daß der Patient seine freiwillige Teilnahme individuell einschränken kann, ist kontraproduktiv. Somit weiß ein Arzt nicht vollständig Bescheid und kann sicher keine Haftung übernehmen. Anbei eine Übersicht:
Die E-Medikamentation und ihre Totengräber.
Es ist schade, daß gute Ideen durch dilletantische Maßnahmen in ein schiefes Licht gerückt werden. Siehe E-Medikamentation. Grundidee ist, daß Ärzte, Spitäler, Apotheken via e-Card ablesen können, welche Medikamente die Patienten einnehmen, und ob bei Neuverschreibungen Wechselwirkungen zu befürchten sind. Das ist es auch schon, denn die Patienten können bestimmen, was veröffentlicht wird und nicht, somit ist die bruchstückhafte Information wertlos.
Zusätzlich wird über recht freizügige Vergabemethoden gestritten die formalrechtlich so enden sollen, daß die 6-monatige Einspruchsfrist (Stichtag 10.August 2010: Abkommen Hauptverband/Gehaltskassa über das Pilotprojekt) schon abgelaufen sei. Das Abkommen wurde aber nie offiziell publik gemacht.
Und dann wundern sich wirtschaftlich und politisch Verantwortliche, daß die Bevölkerung fast schon in allen Projekten nur mehr “Gaunereien” sieht.
Elga, E-Medikamentation und die österreichische Variante.
In den letzten Tagen war wieder einiges über das Projekt Elga (Elektronische Gesundheitsakte) und deren Teilbereich der E-Medikamentation in den Medien zu lesen. Bei der E-Medikamentation läuft schon ein Pilotprojekt, bei Elga spießt es sich innerhalb der Koalition. Grundsätzlich finde ich als Patient es in Ordnung wenn es eine Karte gibt, auf der meine Medikamentationen und meine “Gesundheit” registriert sind. In Notsituationen oder gerade bei älteren Parienten kann dies doch nur von Vorteil sein, wenn die Ärzte auf einen Blick Bescheid wissen, was sie tun können, müssen, ohne daß negative Nebenwirkungen für den Patienten hervorgerufen werden.
Aber bei uns wird dies schon wieder so “patschert” angegangen, alleine die Tatsache, der Patient kann selbst bestimmen, was registriert wird und was nicht, ist doch ein Schildbürgerstreich. Bedeutet in der Praxis, der Arzt hat auf der Karte keinen vollständigen Überblick, somit ist diese Karte wertlos. Entweder ganz oder gar nicht sollte die Devise sein.
Der scheinbar lange Weg zur E-Medikamentation
Über die E-Medikamentation habe ich schon einmal geschrieben, nun habe ich einen Artikel in der Ärztezeitung gefunden, der die Problematik des Zeitaufwandes beleuchtet. Wird interessant, wieviel Ärzte bei diesem Pilotprojekt tatsächlich mitmachen und welche Erkenntnisse die anschließende Evaluierung zum Vorschein bringt. Hoffentlich keine “österreichische” Lösung der Kompromisse.
E-Medikamentation, Hauptverband und einige Umfragezahlen
Die Einführung der E-Medikamentation, sieht ein Großteil der Bevölkerung wesentlich entspannter, als die Kontrahenten Apotheker versus Ärzte.
90 Prozent der Bevölkerung ist mit der Idee einverstanden, daß verordnete Medikamente in einer Datenbank gespeichert und in Bezug auf Wechselwirkungen oder Doppelverordnungen überprüft werden. Die Prüfung der Medikamente sollte nach Ansicht von 77% der Befragten der niedergelassene Arzt durchführen. Viele (67%) möchten auch selber online die Datenbank einsehen.
Die E-Medikamentation startete im Frühjahr als Pilotprojekt in den Regionen Wels-Grieskirchen, Bezirk Reutte und in Wien Donaustadt, wird bis Jahresende evaluiert und soll flächendeckend im Jahr 2012 starten.
84% der Österreicher halten das österreichische Gesundheitssystem für eines der besten und sind auch mit dem Leistungsangebot der Krankenkassen zufrieden. Trotzdem halten 77% die bisher getroffenen Maßnahmen für nicht ausreichend und unterstützen die Forderung des Hauptverbandes nach einer ganzheitlichen Reform.
Spätestens an dieser Stelle muß man zum Auftraggeber dieser GfK Umfrage (4.000 Befragte August/September) kommen. Überraschung, es ist der Hauptverband.
E-Medikamentation und der Weg zur Umsetzung
Ebenfalls ein Baustein zur Eindämmung der Kosten im Gesundheitsbereich, sowie für mehr Sicherheit für den Patienten, ist die E-Medikamentation. Es laufen ab 2011 österreichweit in 3 Gebieten Feldversuche, nach deren Evaluierung könnte die E-Medikamentation 2012 in Gesamtösterreich eingeführt werden. Zusätzlich gibt es seit 5 Jahren in Kärnten den Medikamentenpass. Ziel dieser Maßnahmen soll sein, störende Neben- und Wechselwirkungen bei Einnahmen mehrerer Medikamente zu verhindern. Ein Überblick für Patienten, Ärzte und Apotheker ist somit gegeben.
Der Eintrag auf der e-card hat natürlich Datenschützer auf den Plan gerufen, und auch die Apotheker legten sich bis jetzt dagegen quer, da sie die rezeptfreien Medikamente nicht erfaßt haben wollen. Bin gespannt, ob die Bedenken ausgeräumt werden, da ein Wissen über die Patienten-Verwendung von Medikamenten nur zum Vorteil für Patienten sein können.
Die Zahlen im Gesundheitsbereich. E-Medikamentation und Masterplan des Hauptverbandes.
Im Gesundheitsbereich schwirren immer wieder neue Finanz-Zahlen herum, kurz gesagt, die Bandbreite bewegt sich zwischen Finanzkollaps und Millionenüberschüsse. Was stimmt nun? Anbei ein paar Fakten dazu:
Der Vorstandsvorsitzende des Hauptverbandes, H.J.Schelling, verweist darauf, daß die Kassen die vereinbarte Kostendämpfung von € 214 Mio mit nunmehr € 270 Mio übertreffen. Dafür erhalten die Kassen heuer noch € 100 Mio aus dem Strukturfonds, ab 2011 soll der Betrag nur mehr € 40 Mio betragen.
Der Generaldirektor im Hauptverband der Sozialversicherungen, J.Kandlhofer, verweist auf einen Überschuss von € 250 Mio. Kommt dadurch zustande, daß sich die Beitragszahlungen durch mehr Beschäftigte erhöht haben, sowie durch Medikamenteneinsparungen von 5%. Jedes Prozent bringt € 30 Mio.
Die Wiener GKK prognostizierte Anfang des Jahres für 2010 einen Verlust von € 31,3 Mio, im August verkündeten sie einen voraussichtlichen Gewinn von € 39,8 Mio. ?????? Die Salzburger GKK prognostizierte im November 09 für 09 ein Defizit von € 15 Mio, tatsächlich waren es 09 dann ein Defizit von € 8,3Mio. Die SGKK erklärte via Medien am 8.August 2010, sie werde ein Defizit von € 10 Mio haben, am 17. August waren es nur mehr € 4 Mio, jetzt Anfang November schwankt die Bandbreite des Defizites von € 5 – 8 Mio. Und erklären noch, hohe Rücklagen zu besitzen. Die Kärntner GKK prognostiziert für 2010 ein plus von € 8,9 Mio und jammert zugleich über die hohen Medikamentenkosten. Ihr Vorschlag: Mehr Generika zu verschreiben, oder die lange Medikamentenliste der Patienten zu verringern. Dabei haben die Kärntner schon vor 5 Jahren den Medikamentenpass eingeführt – die elektronische E-Medikamentation scheitert österreichweit vorläufig an Datenschutzeinwänden und am Prestigekampf Ärzte gegen Apotheker.
Ein in der Öffentlichkeit fristendes Schattendasein sind auch die 16 “Krankenfürsorgeeinrichtungen” (KFA) für Landes- und Gemeindemitarbeiter. Deren Tarife liegen laut Expertenbericht um durchschnittlich zehn Prozent über jenen der Beamtenversicherung (BVA). Die Krankenfürsorge für Linzer Stadtbeamte zahlt den Zahnärzten sogar um 30 Prozent höhere Honorare. Inklusive den KFAs gibt es in Österreich 35 Krankenversicherungsträger. Die Gesamtverschuldung aller Gebietskrankenkassen macht rund € 940 Mio aus.
Denke einmal, es weiß keiner genau Bescheid, was, wie, wo exakt abläuft und bezahlt wird. Je nach Verhandlungstufe werden scheinbar die jeweils passenen Zahlen und Bereiche hervor geholt. So kann man das Vertrauen vollends zerstören. Am 17. November 2010 soll nun der für März groß angekündigte Masterplan des Hauptverbandes zur Reform des Gesundheitssystems präsentiert werden. Bin schon auf den Inhalt gespannt.
Anbei ein paar Wissenbausteine zur Spitalsfinanzierung:
Generika, Nebenwirkungen, schlechte Compliance und wo bleibt der Einspareffekt?
Wenn die Gerüchte stimmen, dann liegt der deutsche Finanzminister Schäuble wegen unvorhersehbaren Nebenwirkungen eines Medikamentes in Verbindung mit anderen Medikamenten in einem Brüsseler Spital. Genaueres ist nicht bekannt, doch der Faktor Nebenwirkungen läßt aufhorchen. Ist nicht das die große Problematik, die durch die E-Medikamentation eingedämmt werden soll? Laut einem Standard-Artikel vergangener Woche sterben in D rund 30.000 Personen durch Nebenwirkungen eines “Medikamenten-Cocktails”. Aber trotzdem gibt es von vielen Seiten massive Bedenken wegen des “Gläsernen Patienten, Datenschutz etc.” Mir nicht nachvollziehbar.
Auf einer anderen Ebene scheint man bzgl. Nebenwirkungen nicht sehr beunruhigt zu sein. Da werden in einigen Salzburger Apotheken andere Medikamente als vom Arzt verschriebene ausgegeben. Betrifft vor allem Generika (Siehe vorletzten und letzten Artikel). Die Patienten sind verunsichert, unterbrechen die Medikamentation, und damit verschlechtert sich die Compliance (Therapietreue – Bereitschaft eines Patienten, eine medizinische Empfehlung zu befolgen). Was wieder zur Folge hat, daß der Patient länger behandelt werden muß, was zu Mehrkosten führt und damit die von der Krankenkassa angepeilten Einsparungen ad adsurdum führt. Auch der Ruf der Ärzte kommt in Mißkredit, wenn die Apotheke die Verschreibung “overrollt”.
In Summe ergibt sich eine totale Verunsicherung, die dadurch ausgelöst wird, daß durch Gratismuster von Generika an die Apotheker, das vom Arzt verschriebene Generikum seitens der Apotheker ausgetauscht wird. Und warum muß ein Arzt in Salzburg ein Generikum überhaupt verschreiben? Weil es die Krankenkassa so vorschreibt – Grund: Sparmaßnahmen.
Denkt jemand seitens der Krankenkassa auch an den Patienten, oder wird dem Diktat des vordergründigen Sparens alles geopfert?



Letzte Kommentare