Artikel getaggt mit ‘Ärztekammer’
Zählt ein perfekter Farbdruck mehr als ein gerettetes Menschenleben?
Was ist der gravierende Unterschied zwischen einem Drucker und einem Turnusarzt um 16.00 ? Der eine geht auf die Sekunde in die Freizeit, der andere denkt gerade nach, ob er vielleicht am nächsten Tag um 16.00 wie vereinbart Dienstschluß hat. Und warum ist dies so? Weil im Bereich der Druckerei die Gewerkschaften und Standesvertretungen so gut organisiert und tätig sind, daß jeder Handgriff extra zu entlohnen ist. Im Gegensatz zu den ärztlichen Standesvertretern, der Ärztekammer, denen die Misere zwar bekannt ist, aber nichts dagegen tun. Sie kassieren hohe Beiträge für ihre Zwangsmitgliedschaft, mehr nicht.
Ist es ihnen nicht bewußt, daß hinter jedem Arzt viele Patienten, sprich Leben, stehen, die vertrauen, daß sie die beste Diagnose und Behandlung bekommen. Wie soll dies aber funktionieren, wenn diensthabende Spitalsärzte im Schnitt 60 – 72 Stundenwochen tätig sind und Turnusärzte Jobs verrichten müssen, die andere Berufsgruppen tun sollten? Warum schaut die Ärztekammer weg und warum befindet Gesundheitsminister Stöger in einem ORF-Interview die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Ärzten in Österreich für gut? Kann mir jemand diese Fragen beantworten?
Hausapotheke in Arztpraxen – Ärztekammer versus Apothekerkammer
Ein Kompetenzstreit, der für mich als Patient nicht ganz nachvollziehbar ist. Seit 2006, mit 10jähriger Übergangsfrist, ist die Apotheken-Schutzzone von 4 auf 6 Kilometer ausgeweitet worden. In der Praxis bedeutet dies, dass Arztordinationen am Land, die weniger als 6 Kilometer von einer Apotheke entfernt sind, nach einer Übergabe ihre Hausapotheke nicht weiterführen dürfen. Und das bei einer anstehenden ärztlichen Pensionswelle von 40%. Ausnahmeregelungen sind entlegene Gebirgstäler, wo die Ärzte weiter ihre Hausapotheke führen dürfen. Jetzt sagt die Ärztekammer, wir bekommen kaum Nachfolger für die Praxen, da der Anreiz einer Hausapotheke weg fällt, und außerdem schätzen es vor allem ältere Patienten, wenn sie beim Arzt vor Ort ihr Rezept einlösen können. Die Apothekerkammer kontert, daß sie aufgrund des größeren Sortiments eine bessere Versorgung garantieren können und es den Ärzten nur um den Zuverdienst gehen würde. Die Krankenkassen halten sich aus dem Steit heraus, denn sie bekommen rezeptpflichtige Medikamente aus der Arztpraxis billiger in Rechnung gestellt, da es ein “Zwangsabkommen” gibt, Ärzte müssen einen um 4% günstigeren Betrag verrechnen.
Wie in Österreich üblich, wird es schon eine Lösung für beide Seiten geben, nur frage ich mich, wieso gibt es immer wieder Bereiche, die ala Planwirtschaft voll reglementiert sind?
Der österreichische Weg zu einer Gesundheitsreform.
Es bewegt sich etwas auf dem Gebiet der Gesundheitsreform. OÖ versucht mit vielen Unterarbeitsgruppen und politischen Experten zu einem Modell zu finden, auf Bundesebene streiten Ärztekammer, Hauptverband und Ministerium wer, wann, mit wem, wo, sprechen soll und in Salzburg zwingt man die Ärzte die billigsten Nachbaumedikamente (Generika) zu verschreiben – verletzt dabei die Therapiefreiheit des Arztes und riskiert teuere Folgekosten durch Nebenwirkungen anderer Hilfsstoffe. Bringt kostenmäßig unter dem Strich nichts, aber es ist ein Zeichen des Sparwillens gesetzt worden. Wie gesagt, es bewegt sich etwas.
Ohne die Sache im Detail zu kennen, scheint Vorarlberg in der Effizienz der Reformbewegung wieder einmal die Nase vorne zu haben. Anbei ein Artikel über schon durchgeführte und kommende Maßnahmen. Noch ist nichts fix, da das Land bei einem wesentlichen Punkt die Zustimmung des Bundes benötigt.
OÖ werkt an einer Spitalsreform. Verderben zu viele Köche den Brei?
Seit Juni 2010 hat eine Expertenkommission in OÖ begonnen eine Spitalsreform zu erarbeiten. Mitglieder dieser Reformkommission sind Vertreter der Spitalsträger, der Ärztekammer und der Gebietskrankenkasse. So weit so gut. Wie das scheinbar vor allem in Österreich so mit Expertensystemen ist, gibt es noch Untergruppen, die wiederum in Arbeitsgruppen gegliedert sind, so daß ein hoher Spitalsvertreter etwas nervös wird, da er nicht weiß, was eigentlich abläuft und geplant wird. Das Tüpfchen auf das I ist aber jene Arbeitsgruppe, die völlig losgelöst ganz konkrete Maßnahmen wie Neustrukturierungen, Schließungen von Abteilungen etc. erarbeitet.
Und wer ist in dieser Arbeitsgruppe? Erraten, externe Experten, die jeweils von den politischen Parteien nominiert worden sind. Perfekt. So haben die Parteien ihren Zugriff, die “Experten” sind sicher Strohleute – es gilt die Unschuldsvermutung – und ein Treffen mit den Spitalsträgern wurde kurzfristig abgesagt. Im März gibt es dann Gespräche zwischen der Landesregierung und der Ärztlichen Direktoren. Ob dabei schon Grundzüge der Reform präsentiert werden ist noch offen. Lassen wir uns überraschen, ob eine wirkliche Reform heraus kommt, oder nur kleine Eingriffe die in Summe nichts bringen.
Spitalsreform – der österreichische Weg
Vor 3 Tagen noch Verunsicherung, jetzt nach letzter APA Meldung herrscht zwischen Gesundheitsministerium und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger wieder Einigkeit in Bezug des weiterenVorgehens für eine Spitalsreform. In Gremien wird mitgearbeitet, eine nationale Gesundheitskonferenz abgehalten und auch die Länder sind zumindest auf Beamtenebene mit an Bord. Frage, was wird nun die Ärztekammer tun und sind dies effiziente Gespräche, oder nur taktische Beruhigungen?
Ärztekammer versus Hauptverband der Sozialversicherungsträger.
Als Außenstehender des Systems und als Patient fühle ich mich etwas unwohl über die atmosphärischen Störungen zwischen Ärztekammer, Hauptverband der Sozialversicherungsträger und des Ministeriums. Grund dieser Irritationen ist die Ankündigung des Ärztekammerpräsidenten, direkt mit dem Ministerium zu sprechen und somit den Hauptverband auszuschalten, da dieser einige Vereinbarungen nicht eingehalten hat und Ankündigungen ohne Absprache mit der Kammer tätigte. Ohne nun in Details einzugehen, mir als Patient ist es herzlich egal, wer, wo, was, wann sagt und tut, die ärztliche Versorgung muß klappen und als Steuerzahler ist mir wichtig, daß das Geld effizient eingesetzt wird. Kann es sein, daß hier vorrangig die persönliche Chemie zwischen dem Ärztekammerpräsidenten und dem Hauptverbandschef nicht stimmt?
SVA-Honorar, WGKK und der Unterschied in Euro.
Habe mir wieder einmal die verschiedenen Abrechnungsmodalitäten der Krankenkassen angesehen. Ist mir schon ein Rätsel, wieso z.B. für ein komplettes Blutbild das SVA-Honorar € 13,04 ausmacht und bei der WGKK nur € 3,20. Das führt natürlich auch zu einer höheren Belastung der Versicherten, da der 20% -Kostenanteil vom Honorar, das die SVA dem Arzt zahlt, berechnet wird. Und € 2,61 oder € 0,64 sind doch ein eklatanter Unterschied.
Woran liegt das? Verhandelt die SVA mit der Ärztekammer so schlecht, oder liegt es an den Beitragssätzen? Ich finde hier keinen konstruktiven Zugang.
Wiener Gebietskrankenkasse verärgert die Bundesländer
Von dem Zwist zwischen der Wiener Gebietskrankenkasse und den anderen GKK las man in den Medien fast nichts. Es geht darum, daß die WGKK noch knapp vor der Wiener Landtagswahl mit der Ärztekammer einen neuen Honorar-Vertrag abgeschlossen hat. Erhöhung ab 1.Jänner 2011 um 2,05%, 2012 ebenfalls. Sollte die Inflation höher sein, wird diese auch abgegolten. Die anderen GKK kritisieren, daß die WGKK Gesamtschulden von rund € 400 Mio besitzt und die Erhöhung der Honorare viel zu hoch sein. Zusätzlich befürchten sie auch einen Dominoeffekt, daß auch andere landesweiten Ärztekammern eine Nachverhandlung fordern. Ist auch schon passiert.
Interessant die Verantwortung der WGKK. Der Abschluß ist gerechtferigt, da sie ja die Wiener Bevölkerung versorgen müssen. Umgekehrt wäre es mir einleuchtender, wenn die Ärzte diese Rechtfertigung in den Raum stellen.
Weiters haben die KK der westlichen Bundesländer schon einmal gegen Wien Stellung bezogen und auch recht bekommen. Die viel zu hohe Unterstützung aus dem Katastrophenfond muß um € 20 Mio wieder reduziert werden. Das mit dem Fond erinnert mich an eine “Bulle von Tölz” Folge, in der der Landrat den aufgebrachten Bauern erklärt, daß der Anschluß an die Wasserleitung aus dem EU-Katastrophenfond bezahlt wird. Fragt sich nun, war der Drehbuchautor vorher dran, oder die Politik?
Ärzte-GmbHs und deren Umsetzung.
Vor 3 Monaten ist die gesetzliche Grundlage für die Gründung einer Ärzte-GmbH in Kraft getreten. Gründungen bis jetzt: Null. Anlaufschwierigkeiten mit Modellen der GmbH gab es auch in anderen Berufsgruppen, trotzdem sollte ein Blick auf 3 wesentliche “Bremsfaktoren” gelegt werden:
1. Ärztekammer und Gebietskrankenkassen haben ein Zustimmungs- und Vetorecht für die Aufnahme von Gesellschaftern.
2. Die Reihung der Bewerber wird von der Ärztelkammer vorgenommen und nicht von den übrigen Ärzten der GmbH!!!
3. Die GmbH darf keine Ärzte anstellen und nur Ärzte dürfen Gesellschafter der GmbH werden.
So viel zur freien Marktwirtschaft in Österreich. Die Ärzte-GmbH wird sich für Gruppenpraxen, die hohe Investitionen tätigen müssen – z.B. in der Radiologie – als sinnvolle Plattform anbieten. Auch bzgl. der Haftung gibt es Vorteile, da die Gesellschafter nur bis zur Höhe ihrer Gesellschafteranteile haften, bei der bisherigen Möglichkeit der OG mussten alle Ärzte voll mit ihrem Privatvermögen haften. Die neue Haftpflicht-Mindestdeckung für GmbHs beträgt nun € 10 Mio. Steuerlich sehen es Steuerexperten ein bißchen unterschiedlich, sie gehen aber davon aus, dass OGs und Einzelgesellschaften Vorteile haben.
Mit einem Wort, Ärzte-GmbHs können gegründet werden, aber diese Form besitzt einige nicht zu unterschätzende “Fesseln”.
Alzheimer Erkrankung, der rapide Anstieg, Gesundheitsreform und die Chance auf Heilung?
Rund 90.000 Personen leiden in Österreich an einer demenziellen Erkrankung, 63.000 davon an der Alzheimer Krankheit. Bis 2050 wird diese Zahl auf mehr als 200.000 ansteigen. Die jetzigen Kosten betragen ca. € 1,1 Mia, wobei davon rund 3/4 dieser Summe für nichtmedizinische Kosten anfallen, etwa für eine 24 Stunden-Betreuung, die sehr oft Angehörige leisten. Eine frühzeitige Erkennung sowie ein unverzüglicher Eingriff durch eine medikamentöse Behandlung kann das Leid Betroffener und Angehöriger lindern und eine gewisse Lebensqualität aufrecht halten.
Die Österreichische Alzheimer Gesellschaft und die Ärztekammer fordern den Ausbau von mobilen Diensten und spezialisierten Einrichtungen. So weit so gut.
Ist dies aber auch in den “genialen” Budgetplänen der Regierung irgendwie eingeplant? Oder wurstelt man munter weiter und ignoriert auch hier gewichtige Faktoren wie Pensions-, Verwaltungs- und Gesundheitsreform…..? Sehr zynisch könnte man sagen, rund 200.000 Patienten merken es dann eh nicht mehr.
Einen sehr interessanten Aspekt haben deutsche Alzheimer- und Altersforscher festgestellt und sind der Meinung, dies sollte auf alle Fälle näher untersucht und erforscht werden. Es könnte ein Ansatzpunkt für eine Lösung sein. Betonung auf könnte. Bei Demenzkranken läßt sich im Gehirn das Eiweiß Amyloid-beta feststellen und dieses könnte sich wie eine Infektion weiter übertragen. Labortests an Mäusen bestätigten diese Möglichkeit. Auch in der Natur kommen Amyloide vor, z.B in der Nanotechnologie, in der Seide oder auch in der Gänseleber. Somit besteht die Chance, daß Amyloide durch Nahrung und Umwelt in den Kreislauf des Menschen gelangen und im Gehirn den Krankheitsprozess auslösen können. Auch zahlreiche Krebserkrankungen, allen voran der Gebärmutterhalskrebs, wird durch Erreger aus dem Bereich der Mikroben verursacht. Sollten sich diese Hinweise auf eine Infektion erhärten, wäre eine Bekämpfung leichter möglich, als wenn die Ursache in Genen verankert ist.


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