Archiv für Mai, 2011
Spitalsreform und die Revolte in OÖ beginnt schon.
Bis 2020 sollen in Oberösterreich rund € 362 Mio im Spitalsbereich eingespart werden. Sieben Abteilungen und rund 9% an Akutbetten (760). Und der Widerstand formiert sich schon. Das Klinikum Wels-Grieskirchen wäre mit ca. 127 Betten betroffen und fürchtet nun, daß die medizinische Versorgungssicherheit in der Region gefährdet sein, da z.B. die Herzchirurgie nach Linz verlegt werden würde.
Es ist sicher nicht einfach die richtigen Einschnitte vorzunehmen, Fingerspitzengefühl gehört dazu, ob das auch alle Verantwortlichen der Reform besitzen?
Das allwissende Internet?
Unlängst fiel mir ein Artikel über Gesundheitsthemen im Internet auf. Darin wird beschrieben, daß Patienten immer öfter Internetforen besuchen um Antworten zu bekommen, statt ihren Hausarzt zu konsultieren. Die Gefahr besteht aber, wie filtert man die richtigen Antworten heraus? Die Betreiber solcher Plattformen stellen den Anspruch, Patienten so besser zu informieren und mündiger gegenüber Ärzten und Apothekern zu machen. Sicher ein Faktor, nur was ist, wenn sich die Patienten mit “unseriösen Fachwissen aufmunitionieren” ?
Internet sagt das, Arzt sagt jenes. Kann das nicht auch zu einem generellen Vertrauensverlust oder zu Irritationen führen? Die größte Gefahr stellt sich doch auch, wenn der Patient durch eine Selbstdiagnose Antworten im Internet sucht. Denke, in diesem Bereich ist die Selbstverantwortung jedes Einzelnen gefragt. Wem die eigene Gesundheit am Herzen liegt, wird sicher den ersten Schritt zum “echten” Arzt tun, oder?
Rezeptpflichtige Medikamente – Infos im Onlinebereich
Bis 2013 plant die EU eine neue Informationspflicht für rezeptpflichtige Medikamente im Online-Bereich und in Broschüren. Wie Nils Behrndt, stv. Kabinettschef des EU-Kommissars J.Dalli, es vorstellte, müssen die Pharmahersteller die behördlich zugelassenen Informationen veröffentlichen. Somit können Patienten erstmals direkt von der Industrie konkrete Informationen abrufen. Noch ein langer Zeitraum bis 2013. Bin gespannt, was von diesem Vorhaben konkret über bleibt.
ELGA kostet 5x so viel, aber bei Medikamenten ist zu sparen.
Wann passiert endlich ein medialer Aufschrei, der dann über die Bevölkerung bis zu den verantwortlichen Politikern hallt und Konsequenzen mit sich zieht. Mit dem Steuergeld der österreichischen Erwerbstätigen wird derart fahrlässig umgegangen, im Grunde ein Skandal. Ein Mosaikstein der Unverfrorenheit: die Kosten für die elektronische Gesundheitsakte (ELGA)
Laut Ministerium betragen die Kernkosten € 30 Mio. Laut einer Studie (die 2008 von der ARGE ELGA) in Auftrag gegeben worden ist und seitdem unter Verschluß gehalten wird, wird von insgesamt rund € 171 Mio ausgegangen. Davon 135 Mio Anfangskosten und rund € 36 Mio pro Jahr. Da dies praktisch eine Eigenstudie ist (“Gefälligkeitsstudie”), ist der Ausgang mit der exorbitanten Preisexplosion ein Schuß ins Knie.
Reaktion des Ministeriums. Bis jetzt Null. Aber Ärzte zu verpflichten, statt Originalemedikamente Generika zu verschreiben und somit Patienten zu verunsichern und die Therapiefreiheit des Arztes einzuschränken ist salonfähig.
Müssen Krankenkassen Originalmedikamente bezahlen?
Was ist, wenn es mehrere Behandlungsmethoden gibt und die Kasse nur nach ökonomischen Aspekten zahlen will? Denn der Druck, der aktuell auf Ärzte ausgeübt wird, immer das günstigste Medikament zu verschreiben, läßt Zweifel aufkommen, ob seitens der Kassen zum Wohle des Patienten gehandelt wird.
Nach der Rechtsansicht des OHG (Obersten Gerichtshofs) besteht eine Verpflichtung, die von Ärzten verrichteten diagnostischen und therapeutischen Leistungen zu ersetzen. Selbst bei nicht anerkannten Behandlungsmethoden (Außenseitermethoden) gilt der Grundsatz, dass die Zweckmäßigkeit einer Behandlung nicht allein nach ökonomischen Gesichtspunkten beurteilt werden darf. Der OHG führte sogar aus, dass unter mehreren Verfahren dasjenige auszuwählen sei, dessen Einsatz einen Erfolg mit den geringsten nachteiligen Nebenwirkungen für den Patienten verspricht. Bedeutet, im Falle einer besseren Wirksamkeit von Originalmedikamenten besteht ein Kostenersatz seitens der Krankenkasse.

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