Archiv für Februar, 2010
Gesundheitsreform und die Medikamentenkosten
Beobachtet man einige Artikel in den Medien bzgl. Gesundheitsreform fällt auf, daß den Medikamentenkosten ein immenser Raum gewidmet wird. Es entsteht der Eindruck, daß ist der Stein des Weisen um die Kosten in den Griff zu bekommen. Sicher läßt sich in diesem Bereich einiges einsparen, keine Frage, doch wieviel macht der Anteil der Medikamentenkosten im Gesamtbudget der Krankenkassen eigentlich aus?
Es sind knappe 20%, entspricht einer Summe von € 3 Mia. Bei einem Gesamtbudget von € 14,5 Mia. Die Hauptausgaben machen Ärztehonorare und Transportkosten (davon ein hoher Anteil an Hubschrauberkosten) aus.
Warum nimmt man nicht alle Kostenstellen heran, analysiert und macht sinnvolle Einsparungsvorschläge?
Anbei die Budgetergebnisse des Jahres 2009, wobei ordentlich getrickst wurde. Z.B: Wiener GKK erhielt Mittel aus dem Staatsbudget, durch Auflösung des Katastrophenfonds und aus der Abschöpfung der Mehrwertsteuerrückvergütung. Da dies 2010 nicht mehr möglich sein wird, ist die Prognose ein sattes Minus. Das kann es doch nicht sein. Interessant auch die Prognosen Basis November 09 für 09 und die tatsächlichen Werte.
Ärztekammer und Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft
Das Problem verstehe ich nicht. Ist dies wieder einmal typisch Österreich? Wieso zahlt die SVA bei einigen Positionen höhere Honorare als die Gebietskrankenkassen? Zahlen die Selbständigen mehr ein als andere? Kann nicht sein, da es auch noch Selbstbehalte gibt wie bei den Beamten.
Hat dieses Wirrwar irgendwann mal Sinn gemacht? Wäre dies nicht eine Aufgabe der politisch Verantwortlichen, hier eine einheitliche Regelung zu schaffen? Glaube, daß es in sehr vielen Bereichen so eigenartige Entwicklungen gibt, die nur kosten und Funktionärsposten bringen.
EBM-Tagung und die Frage der Nebenwirkungen bei Generika
Die in Salzburg stattfindende EBM-Tagung geht vom Thema her sicher in die richtige Richtung. Stellt sich nur die Frage, wird umfassend diskutiert und alle relevanten Bereiche miteinbezogen? Gerade in Salzburg, wo die Krankenkasse Ärzte mehr oder minder nötigt, das billigste Medikament zu verordnen. Steht auch der Punkt “Original -Generika” auf der Agenda? Denn hier gibt es gerade im medikamentösen Therapiebereich einige offene Fragen bzgl. Nebenwirkungen, die aufgrund der alles überlagernden Kostenminimierung unter den Tisch gekehrt werden.
Generika und deren Herstellung
Möchte auf 2 erhaltene Kommentare hinweisen, die ebenfalls einen Aspekt der Problematik der Generika beleuchten: Auf die “Qualität” der Produktion.
Gesundheitsreform und die Personalmisere
Was wird nicht alles über die kommende Gesundheitsreform schon geschrieben. Masterpläne werden angelegt, Managementkapazitäten eingefordert, Original-Medikamente durch Nachbauten/Generika sind zu ersetzen, Spitalsbetten sind abzubauen und einiges mehr. Dazwischen Jubelmeldungen über Überschüsse der Krankenkassen, die aber nur durch Zuschüsse und Auflösung von “Familiensilber” zustande kamen. Und ein Posten, die menschliche Komponente des Systems, fällt komplett durch. Dazu ein guter Kommentar in der Wr. Zeitung.
Nebenwirkungen von Generika
Die eingesetzten Hilfsstoffe können oft unerwünschte Nebenwirkungen verursachen, die den Ablauf einer Behandlung stark beeinflußen. Z.B: Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, Allergien, Laktoseunverträglichkeit. Vorallem letztgenanntes führt zu massiven Beeinträchtigungen des Patienten.
Aufgrund dieser und anderer Nebenwirkungen von Generika ist es schon eigenartig, daß die Krankenkassen in diesen Medikamenten-Nachbauten ein “Allheilmittel” gegen die ausufernden Gesundheitskosten sehen. Obwohl der Kostenanteil im Gesamtkonnex gering ist. Warum traut man sich über andere effizientere Faktoren nicht drüber?
Reform des Gesundheitssystems auf privatwirtschaftlichen Ansatz.
Berater von Egon Zehnder International haben nun ihre Expertise zu Kostensenkungspotentialen im Gesundheitswesen abgegeben. “Privatwirtschaftlich hieße nicht nur Gewinnorientierung, sondern das Hereinholen von Managerkompetenz. Diese würde eher große Kostenblöcke wie Personalkosten anfassen und nicht periphere wie Reinigung oder im Küchenbereich.” Als Musterbeispiel wird die Vinzenz Holding der Barmherzigen Schwestern angeführt. Soviel zur Theorie!
Zufällig kenne ich dort Leute, die schon seit langen den Kopf über eigenartige Managerentscheidungen schütteln. Auf den Punkt gebracht: Unten wird beim Personal rausgeholzt und ganz oben neue gutbezahlte Managerboardebenen eingezogen, die mit dem aktiven Tagesablauf an der “Patientenfront” nichts zu tun haben. Es geht Richtung Elfenbeinturm, falsch, es hieß doch Managerkompetenz, oder?
Entwicklungskosten neuer Medikamente.
Habe nicht gewußt, daß Entwicklungskosten für neue Medikamente so hoch sind und noch dazu verbunden mit einem hohen Ausfallsvolumen.
Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem und deren mögliche Folgen.
Sparmaßnahmen wie sie derzeit von der Salzburger Krankenkasse durchgeführt werden, sehen vor, daß Patienten nur mehr auf ein billigeres und unter Umständen nicht gleichermaßen wirksames Medikament umzustellen sind. In jeder Medikamentengruppe darf nur mehr das billigste Medikament verschrieben werden.
Der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. Musalek, warnt vor gravierenden Rückschlägen in der Therapie der Depressionen, falls verschiedene Medikamente in ihrer Wirkung nicht mehr frei verschrieben werden können. Denn eine Depression ist nur durch Regelmäßigkeit sehr gut zu behandeln. Ein öfterer Wechsel führt zu Verunsicherung, zu Therapieunterbrechung und zu weiterem Leiden der Patienten.
Selbst der neue Obmann des Österreichischen Generikaverbandes, Bernd Leiter weißt darauf hin, daß es zu Mehrkosten aufgrund von Verwechslungen und Falscheinnahmen kommen wird. Denn ein günstiges Generikum muß durch ein noch günstigeres ersetzt werden, selbst bei einem Preisunterschied von nur 5 Cent unterliegt der Arzt diesem Verordnungszwang.
Jetzt Frage ich mich, sehen die Kasse und sonstige politisch Verantwortlichen nur die Einsparungskosten? Selbst von einem zum anderen Generikum gibt es Probleme, wie sieht es dann erst aus von einem vertrauten Original zu einem Generikum? Noch dazu kann es innerhalb des Generikumwechsels zu gravierenden Nebenwirkungen kommen. Denn die Bandbreite der Bioäquivalenz “schaukelt” sich auf. Haben die Kassen auch medizinische oder nur Finanzberater?
Das Angehen der Gesundheitsreform und deren Schieflage.
Beobachtet man die letzten Wochen an politischen und wirtschaftlichen Aussagen zum Thema Gesundheitssystem in Österreich, dann beschleicht sich das Gefühl, es wird an den Hauptthemen vorbei geredet. Da werden die Ärzte als korrupt hingestellt, die Pharmabranche als geldgierig, die sinnvollen Ärzte- GmbHs unterliegen ziemlichen Einschränkungen und müßen sich einer Bedarfsprüfung unterziehen und die Kassen trommeln Richtung Generika, egal ob es für die Patienten gut ist oder nicht.
An den wirklich sinnvollen Themen wie Verwaltungsreform, Kassenreform, Überschneidungen durch nebenliegende Spitäler, nur durch Landesgrenzen getrennt, den Arbeitszeitplan von Spitalsärzten – aktuell fast alles illegal – und den Ausbildungsbereich für Turnusärzte wird nicht eingegangen. Diese Liste ließe sich noch um einiges verlängern (Geräteanschaffungen, Küchen etc.) Dazu ein recht guter Artikel in der Wiener Zeitung.




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